Italien

Die liegende Göttin im Brixental
Im Garten der Ahnin
Claudia Lodders

* Der komplette Text wurde in Kleinschrift verfasst.

Die autobahn nach bozen und weiter nach venedig und das mittelmeer führte mich schon öfter durch das brixental  (südtirol), doch diesmal war ich von meiner tochter mit familie eingeladen worden ein paar tage mit ihr auf einem biobauernhof oberhalb von klerant zu verbringen. Ich hatte ein buch von erni kutter dabei um gegebenenfalls das kapellchen von klerant mit den drei meransener jungfrauen  anzuschauen, auch die rutschplatte von elvas interessierte mich.

Das tal liegt eingebettet von hohen bergen. Unterhalb der plose, dem hausberg, befindet sich auf einem vorgelagerten mittelgebirgszug, oberhalb der alten bischofsstadt brixen, vor malerischer bergkulisse auf 800 bis 1400 m höhe eine siedlungslandschaft zu der auch klerant gehört. Diese vor überschwemmungen geschützte lage östlich von brixen war von altersher besiedelt. Ausgrabungen zeigen eine durchgehende besiedlung seit der spätbronzezeit (laugener kultur 12.-10.jh vor unserer zeit).

Die ehemalige bischofsstadt brixen beherbergte vier klöster mit großflächigen grünanlagen, hier wurde in dem fruchtbaren boden die gartenkultur kultiviert, so dass noch heute der salat, das gemüse und die äpfel das ganze jahr reichen. Die antik-mediterane planzenkultur prägte die landschaft. 19 apfelsorten, im franziskanerkloster, 90 verschiedene lilien bewahrten die schöpfung der göttin in ihrer vielfalt. Im sommer entfaltet sich in den gärten und hängen ein gewaltiges blütenmeer und selbst der alte baumkult schimmert durch, wenn gesagt wird: eine rarität ist der klara-birnbaum, er entwuchs einem setzling, den die heilige klara im 13. Jh. an ihre schwestern in brixen geschickt haben soll.

Die ältesten ausgrabungen befinden sich am zusammenfluß von der eisack (isadore) und der rienz. Hier im fruchtbaren schoß bauten die jungsteinzeitlichen matriarchalen kulturen ihre häuser, auch kupfer- und bronzezeitliche, rätische und römische relikte kamen zum vorschein, die damaligen siedlungen galten als hauptort der nord-südverbindung einer handelsstrasse. Dieser uralte siedlungsplatz wird stufels genannt und auch vor 9000 jahren hielten sich hier jäger und sammlerinnenkulturen auf. Alle fühlten sich im schoß der göttin geborgen und lebten auf, mit und in IHR.

Oberhalb des zusammenflusses befindet sich eine landsschaft, die an mehreren stellen durch großflächige gletscherschliffe auffällt, die mit verschiedenen ritzungen versehen sind. Eine davon wird die hexenrutsche genannt
(auch kreuzplatte, das ihre christianisierung zeigt). Diese platte ist mit näpfchen übersäht und am unteren ende mit einer art mühlespiel anordnung versehen, die platte ist weiß und zeigt in der mitte eine auffällig glatte fläche, die rutsche. Links oben ist ein sitzstein, von hier gibt es einen wunderbaren blick ins tal nach brixen. Diese rutsche wird auch in die matriarchale jungsteinzeit datiert.

    

Etwas höher liegt der ort elvas, auch der gehört zu den ältesten besiedelten orten im brixener talkessel und auch hier führt eine alte straße durch und es gibt hier  kleine von menschenhand angelegte tümpel (hier spiegelt sich himmel und erde). Auch überreste von gräberfeldern aus der frühen eisenzeit und tierknochen von opfertieren wurden freigelegt. Der ganze berghang ist übersäht von frühgeschichtlichen zeugnissen.

Nachdem ich mich kundig gemacht hatte über diesen historischen hintergrund und auch in elvas und auf der rutschplatte war, die meine enkelinnen mit vergnügen herunter rutschten machte ich mich auf, klerant anzuschauen und nach der göttin zu suchen, die in diesem tal zu diesen zeiten (nach dem matriarchalen weltbild von der immanenten göttin des kosmos und der erde) verehrt wurde. In klerant mit den drei bethen meinte ich IHR am ehesten auf die spur zu kommen.

Klerant wird urkundlich im jahre 990 erstmals erwähnt. Die romanische kirche soll aus dem 11. Jh stammen, auch hier ist wieder eine frühgeschichtliche besiedlung nachzuweisen. Die kirche ist dem heiligen nikolaus geweiht und mit fresken seiner vita ausgemalt, unteranderem verteilt er goldene kugeln an drei jungfrauen. Ein anderes fresko zeigt ihn bei der austreibung der göttin Diana als teuflischer dämon gezeichnet mit klauen, hörnern und langen zähnen und dem stumpf ihres heiligen baumes. Er selbst verweigerte  als kleinkind die nährende mutterbrust an einem Freitag (FREYER-tag) um sich von seinem gott nähren zu lassen.

In der oberen gewölbekappe rechts sind die drei jungfrauen gemalt, in sitzender stellung mit den golden kugeln in der hand. Über ihre bedeutung haben schon viele frauen (auch männer) geforscht und sind zu der erkenntnis gekommen, dass sie die nachfolgerinnen der großen göttin sind in ihrer erscheinung als hilfreiche Heilrätinnen in den drei phasen des lebens; als junge weiße,  als frauengöttin in rot und als alte weise frau in schwarz.

In der linken oberen gewölbekappe befindet sich eine magdalenaabbildung, als wildfrau mit langen rotgoldenen haaren, lebensgroß und fast die ganze seite ausfüllend, über ihrem kopf drei busenhügel mit kirchen oder türmen gekrönt. Die große liebende wird sie auch genannt.

Zu den goldenen kugeln des nikolaus schreibt heide göttner-abendroth, “nikolaus steht hier an stelle einer alten herosgestalt, dem die todesgöttin die drei  goldenen äpfel für seinen weg in die unterwelt als verheißung seiner wiedergeburt schenkte„ und tatsächlich steht die kirche an einem uralten verbindungsweg, der hier den abstieg in das steile dunkle aferstal öffnet, wo im winter die sonne den talboden nie frei gibt.“ Dies ist ein symbolischer durchgang durch tod und wiedergeburt. “Hier dankten die menschen , die den aufstieg geschafft hatten der erdmutter für den glücklichen ausgang und die, die es noch vor hatten baten um einen guten durchgang.

Als ich aus der kirche trat auf der suche nach zeichen, die diesen platz so einmalig als kultplatz auswiesen, konnte ich nichts finden: keine sichtbare quelle, kein auffallender felsen, gut es gab wohl einen heiligen baum, denn nikolaus vertrieb DIANA aus ihrem baumheiligtum, doch davon ist nichts mehr übriggeblieben.

Plötzlich fiel mein blick seitlich, links ins brixental, ich suchte elvas und da sah ich sie, wie eine erleuchtung! Das ganze tal war, ist ausgefüllt von einer liegenden großen frau in strahlendem sonnenschein. Elvas mitten in ihrem busen (am busen der natur) und unterhalb der große rutschstein in nabelhöhe. Ich sah sie dreidimensoinal und war von großer liebe ergriffen.

                  
 
Die menschen des tales lebten auf IHR und nahmen von IHR und kuschelten sich wie kinder an ihren busen und ihren schoß. Zu bestimmten zeiten im jahresverlauf rutschten sie symbolisch auf dem rutschstein in den schoß der göttin um an ihrer fruchtbarkeit (wiedergeburt) teilzuhaben.

Nur vom ort klerant können wir deutlich eine liegende göttin sehen mit elvas im busen und dem rutschstein am nabel und dem dreieckigen schoß (heute brixen) durchfloßen von der milchigen eisack. Oberhalb der brüste gibt es einen arm, der zur hüfte reicht und der andere arm ist nach links oben gestreckt, den hals bildet ein dreieckiger berg und der himmel könnte ihr kopf sein. Wäre das gebiet noch bewaldet, sähe es aus wie das lange zottige haar der magdalena, der großen liebenden Göttin, wie auf dem bild in der kirche.

Der ganze hang war besiedelt mit terrassenhäusern, hier konnten sie ihre ahnin tagtäglich sehen (bis in die frühbronze zeit). Die kleine kirche mit den bemalungen holte die menschen, die noch lange hier herauf kamen um ihre göttin zu sehen, in die kirche hinein und ließ sie die abbildungen schauen um ihren blick von dem land zu nehmen und sie mit den bildern der neuen religion zu vereinnahmen. Dies ist so häufig geschehen, dass wir bis heute mühe  haben die göttin in der landschaft zu erkennen, uns dem entsprechend zu verhalten, in liebe und dankbarkeit für die fülle, die die erde (gaia) und der kosmos für uns bereit halten.

Claudia Lodders


Literatur:
Heide göttner- abendrot, matriarchale landschaftsmythologie
Erni kutter, der kult der drei frauen
Kurt derung, die landschaft der göttin
Rachel pollack ,im körper der göttin
Viae,magazin der ferienregion eisacktal
Kirchen und kapellen der pfarreien st. andrä und afers
Archäologischerpfad brixen -elvas


Liebe frauen, das ganze tal lädt ein noch viele geheimnisse aus der matriarchalen zeit  zu entdecken, z.b. der pinatzbühel, der vogeltennebühel, diverse andere felsformationen mit felszeichnungen, die ich hier alle nicht erwähnt habe, der ganze hügel scheint eine kultanlage gewesen zu sein, ein begehbarer körper der göttin wie z.b. der hohe meisner (heide götther- abendroth) doch konnte ich in der kürze der zeit und durch meine bewegungseinschränkung nicht alles besuchen, leider habe ich mich auch nicht um die sagen gekümmert, die sicher noch mehr hinweise geben.