Ein Besuch bei Noreia

Auf den Spuren der Göttin bei St. Veit an der Glan

artemisathene


Ein Auszug aus dem „Schlangengesang“ Ausgabe 66 – September 2014
mit fräundlicher Genehmigung von artemisathene


Wer sich heute auf die Spuren Noreias begeben will, macht sich auf die Reise nach Österreich, genauer gesagt nach Kärnten und in die Steiermark. Die drei Bergheiligtümer, die man Noreia zuschreibt, liegen sehr nah beieinander. Sie alle gruppieren sich um das hübsche St. Veit an der Glan, das nordöstlich des Wörthersees liegt. Da ist zum einen der Schlosshügel von Hohenstein bei Liebenfels. Hier hat man die Fundamente eines römischen Tempels aus dem 2. Jahrhundert ausgegraben, der Noreia geweiht war. Diverse vor Ort gefundene Altäre und Weihinschriften bezeugen die Verehrung der lokalen Göttin. Der Tempel hatte einen Grundriss von 12,5 x 7,3 Meter und war in eine quadratische Cella und eine Säulenvorhalle mit vier Säulen geteilt. Im Inneren waren noch die Reste des Sockels zu sehen, auf dem die Statue der Noreia stand. Auf einem 1,80 m hohen Podest erhob sich der Tempel wohl 6,70 m in die Höhe. Umgeben war er an drei Seiten von einer säulenbestandenen Wandelhalle. Auf dem Gelände befanden sich noch weitere Gebäude, deren Nutzung nicht geklärt werden konnte. Leider hat man alle Funde wieder zugedeckt, so dass man heute nicht erkennen kann, wo das Heiligtum gestanden hat.

Dagegen kann man auf dem Ulrichsberg (mons caramantus) eine kopfüber eingemauerte Inschrift sehen, die zum Noreia-Heiligtum gehörte. Ob die Inschrift jedoch von einem Tempel auf dem Ulrichsberg stammt oder doch vom Hohenstein „exportiert“ wurde, ist nicht klar. Wer möchte, kann den Ulrichsberg erwandern und sich die Überreste vor Ort ansehen.

Leider sind alle Funde, die Noreia betreffen im Landemuseum Klagenfurt momentan nicht zu sehen, da die archäologische Ausstellung für mehrere Jahre geschlossen wurde.

Ob der große Tempelbezirk auf dem Magdalensberg tatsächlich Noreia gewidmet war, ist nicht belegt. Ausgeschlossen ist es sicher nicht. Ein Ausflug auf den wunderschönen, „heiligen Berg“ lohnt sich aber allein der Aussicht wegen in jedem Fall. An der Spitze steht heute eine den heiligen Helena und Maria Magdalena geweihte Kirche. Unter dieser befinden sich die Grundmauern eines einst beeindruckenden Tempels (30 x 18 m). Stücke von Statuen lassen eher auf einen Herkuleskult schließen, doch ist es ebenso möglich, dass dem Heros Herkules die Landesgöttin Noreia als Partnerin beistellt worden war. Die Fundamente ausgedehnter Priester- und Pilgerwohnungen lassen auf einen lebendigen Kult bis in die Spätantike schließen.

Nicht weit vom Wörthersee kann man einen Abstecher in die Keltenzeit machen. Auch wenn dieser Ort wohl nichts mit der tatsächlichen Noreia-Verehrung zu tun hat, lohnt sich eine Besichtigung der Keltenwelt Frög bei Rosegg. Hier wurde ein Hügelgräberfeld der Eisenzeit ausgegraben und als Freilichtmuseum zugänglich gemacht. Repliken der Fundstücke und eine sehr lebendige Präsentation des hallstattzeitlichen Lebens machen den Besuch der Anlage sehenswert. Dazu kommt die wunderschöne Holzstatue der Noreia, der man ein kleines Waldheiligtum gebaut hat. Sicher nicht authentisch, aber sehr inspirierend.Einen tatsächlichen Noereiatempel, respektive ein Isis-Noreia Heiligtum, kann man auf dem Frauenberg bei Leibnitz in der Steiermark bewundern. Hier sind nicht nur die Grundmauern erhalten geblieben. Über den Resten wurde 1731 ein Messnerhaus für die nahegelegene Kirche gebaut, das heute als Museum dient. Im Erdgeschoß und in den Kellerräumen sind diverse antike Fundstücke ausgestellt. Einen Besuch der sehr sehenswerten Anlage kann man mit einem Ausflug zum Schloss Seggau verbinden in dessen Außenmauern dutzende römische Altarsteine, Friese und Inschriften eingemauert wurden.

Allen vorgestellten Noreia-Heiligtümern ist gemeinsam, dass sich ihre einstige Pracht und Wichtigkeit heute nur noch annäherungsweise erahnen lässt. Vor 1900 Jahren müssen wunderschöne Tempel die markanten Punkte des bergigen Landes geschmückt haben. Ich habe während meiner Besuche dort versucht mir vorzustellen wie die Pilger ehrfurchtsvoll die heiligen Berge erklommen haben, um zu beten und die Göttin um ihren Segen zu bitten. Viele kamen wohl auch, um ihr für eine erwiesene Gunst zu danken. Alle aber fanden einen lebendigen Kult vor, in dem sich die Verehrung der Natur und der Landschaft mit der mütterlichen Kraft der Noreia paarte. Und ich ertappe mich dabei, dass ich davon träume, dass es eines Tages wieder so kommen könnte...






Quellen und Links:

Paul Gleirscher, Erwin Hirtenfelder. Mythos Magdalensberg, Pompeji der Alpen und heiliger Gipfel, Styria-Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt, 2014

Ortwin Hesch. Wanderwege in die Antike, auf Spurensuche in und um FLAVIA SOLVA, Syria-Verlag, Wien, 2004

http://de.wikipedia.org/wiki/Noreia-Heiligtum_in_Hohenstein

http://www.cretimaceltica.at/seiten/seiten.php?WEBYEP_DI=34&OPENTREES=WYMUTREE_0_9|WYMUTREE_0_6%20|WYMUTREE_0_11|

http://www.keltenwelt.at/

http://www.seggauberg.at/Tempelmuseum-Frauenberg.15.0.html

http://www2.rgzm.de/transformation/Noricum/DevelopmentCult/Noricum_Kult.htm

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